Die Elsbeere: regional und klimastabil
Die Ernte von Elsbeerenfrüchten im Fünfseenland

Reife, geerntete Früchte der der Elsbeere ffgb

Die Elsbeere ist ein überaus seltener Waldbaum. Im Fünfseenland gibt es nur sehr wenige Exemplare ihrer Art. Das AELF Fürstenfeldbruck hat es sich zur Aufgabe gemacht, die heimischen Elsbeeren nicht nur zu erhalten, sondern auch für künftige Waldgenerationen zu vermehren. Dazu werden seit dem Jahr 2015 fast in jedem Herbst die Früchte vielversprechender Elsbeeren geerntet.

Standort und Verwendung der Elsbeere

Die Elsbeere liebt warme und trockene Sommer. Ihr kommt die Klimaerwärmung sehr entgegen. Auf Geländerippen und am Waldrand behauptet sie sich am besten, weil sie dort nicht so leicht von den sonst so übermächtigen Rotbuchen überwachsen wird. Das Holz der Elsbeere wird wegen seiner Ästhetik außerordentlich geschätzt. Es taugt für wertvolle, repräsentative Möbel, Furniere, sogar Musikinstrumente.

Elsbeerenblüte
Die hier abgebildete im Frühjahr üppig blühende Elsbeere erbrachte im Herbst 2020 eine Rekordernte von 25 kg Früchten! Seit 2015 konnten insgesamt 190 kg Elsbeerenfrüchte eingebracht werden. Aus den Ernten der Jahre 2015 und 2016 wurden ca. 2300 Baumschulpflanzen und 200 Großbäume erzeugt. Aus den 90 kg Früchten des Jahres 2018 entsprossen rund 3500 Sämlinge.
Mann auf Hubsteiger erntet ElsbeerfrüchteZoombild vorhanden

Foto: Matthias Stang

Ernteeinsatz
„Es herrschten optimale Wetterbedingung für die Ernte der Elsbeeren“, freute sich Judith Clever, Projektmanagerin der Initiative Zukunftswald am Amt für Ernährung, Landwirt-schaft und Forsten (AELF) Fürstenfeldbruck, nachdem sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Sebastian Winter und dem Forstreferendar Matthias Stang eine Elsbeere im Fünfseenland abgeerntet hatte. Das traf für die Wachstumsphase in 2021 jedoch nicht zu. „Durch das kalte Frühjahr und den dann einsetzenden Regen gab es nur wenige bestäubte Blüten, die Anzahl der Früchte war entsprechend gering“, erklärt sie. „Zwei Kilogramm Saatgut lieferte dieser Baum heuer, im vergangenen Jahr betrug die Ernte das 10-fache!“ Umso wichtiger ist es, die Früchte zu ernten, um den Genpool zu erhalten und den Bestand der regionalen, klimastabilen Zukunftsbaumart zu sichern. Dies ist eine der Aufgaben der Initiative Zukunftswald am AELF in Fürstenfeldbruck, deren Projektmanagerin Clever ist.
Behandlung der Früchte

Als erstes werden die Elsbeerenfrüchte grob vorgereinigt, indem man mitgesammelte Blätter und Zweige entfernt. Die geernteten Früchte werden zum Pflanzgarten der Bayerischen Staatsforsten in Laufen bei Freilassing weitertransportiert. Dort reifen die Elsbeerenfrüchte meist noch etwas nach, damit sie für die weitere Verarbeitung weich genug sind.

Weiterverarbeitung der Früchte zu Samen

Die reifen Beeren werden zunächst mit reichlich Wasser in eine Art Mühle zu Brei vermahlen. Dieser Brei kommt in eine Passiermaschine, einem Gerät aus der Marmeladenproduktion. Es trennt die Samen von dem wässrigen Früchtebrei. Die Samen werden getrocknet und gelangen dann in eine Rüttelsiebmaschine, wo noch verbliebene Verunreinigungen im Luftstrom weggeblasen werden. Die getrockneten und gereinigten Samen überwintern in Säcken verpackt in einem Kühlraum bei minus 3 Grad. Daraus werden im Frühjahr Elsbeerensämlinge nachgezogen. Aus denen werden wiederum im Verschulbeet kräftige Forstpflanzen, die in die heimischen Wälder gepflanzt werden sollen. Übrigens: Aus den Elsbeerenfrüchten lassen sich auch preiswürdige Edelschnäpse brennen.

Zwei Männer beim groben Reinigen der Elsbeerenfrüchte

Grobreinigung

Zwei Männer beim Ausbreiten von Elsbeerenfrüchten auf einer Plane

Erstes Einlagern

Anliefern der Elsbeerenfrüchte an der  Baumschule zur Zwischenlagerung

Zwischenlagerung

Eine Mühle verarbeitet die Früchte – Fruchtfleisch und Samen - zu Brei.

Mühle

Passiermaschine zum Abtrennen der Samen aus dem Brei der der Früchte

Passiermaschine

Aus der Passsiermaschine abfließendes Abwasser

Passiervorgang

Elsbeerensamen mit noch verbliebenen Verunreinigungen

Elsbeerensamen

Trocknung der Samen. Hier sind es Samen von Wildrosen.

Trocknung

Mit der Rüttelsiebmaschine werden im Luftstrom Verunreinigungen („Spreu“) ausgeblasen.

Rüttelsieb

Kühlraum mit in Säcken verpacktem Saatgut

Kühlraum

Fotos: Gero Brehm