Vegetationsgutachten
Forstliches Gutachten zum Zustand der Waldverjüngung 2021

Mann kniet in Verjüngung

Foto: Lisa Schubert

Im Frühjahr 2021 rückten Förster, Jagdvorstände, Waldbesitzer und Jäger wieder aus, um die Waldverjüngung zu begutachten. Nach einem genau festgelegten Muster stellten sie stichprobenartig fest, in welchem Ausmaß das Rehwild die nachwachsende Waldgeneration verbissen hat. Das Vegetationsgutachten wird alle drei Jahre erstellt.

Die Knospen kleiner Waldbäume sind im Winter eine wichtige Nahrungsgrundlage für das Rehwild. Zu viele Rehe beeinträchtigen die Waldverjüngung. Für die Waldbesitzer kommt es darauf an, dass die Verbissbelastung nicht zu hoch ist. Denn der junge Wald soll im Wesentlichen ohne teure Schutzmaßnahmen gegen Wildverbiss aufwachsen können. Im Forstlichen Gutachten stellt die untere Forstbehörde daher fest, ob die Verbissbelastung für den Wald noch tragbar oder schon zu hoch ist. Daraus werden Empfehlungen für die künftige Bejagung des Rehwilds abgeleitet.

Informationen aus dem Amtsbereich

Download der Dokumente via OwnCloud
Möglichkeit zur Stellungnahme für Hegegemeinschaften im Amtsgebiet

Zugang zu den Zusatz- und Standardauswertungen der Forstlichen Gutachten 2021
Über den Link zur OwnCloud können Sie die Inventurergebnisse für Ihre Hegegemeinschaft herunterladen und vier Wochen lang Stellung nehmen. Das Passwort für Ihren Zugang erhalten Sie von den Zuständigen Ihres Amtes postalisch bzw. per E-Mail.
Ihre Stellungnahme lassen Sie innerhalb dieser vier Wochen wieder Ihrem Amt zukommen.

Die Ergebnisse der letzten forstlichen Gutachten 2018

Im Bild werden die Ergebnisse der der letzten Forstlichen Gutachten Stand 2018 für die Hegegemeinschaften im Zuständigkeitsbereich des AELF Fürstenfeldbruck farblich dargestellt. Dunkelgrün bedeutet die Vebissbelastung war im Durchschnitt der Hegegemeinschaft günstig, helles grün heißt tragbar und orange bedeutet, die Verbissbelastung war zu hoch. Im Bild befindet sich der Landkreis Dachau oben im Norden, Fürstenfeldbruck in der Mitte und Landsberg a. LL unten im Süden (jeweils schwarz umrandet).

Regionale Ergebnisse 2018

Revierweise Aussage und Jagdrevierbegang

Revierweise Aussage

Jeder Waldbesitzer und Jagdrevierinhaber kann im Vorfeld der Abschussplanung beantragen, dass für sein Jagdrevier eine Revierweise Aussage erstellt wird. Das empfiehlt sich immer dann, wenn der Wildverbiss entweder als zu stark empfunden wird - oder sich das Revier positiv vom Durchschnitt der Hegegemeinschaft abhebt. Antragsformulare sind beim Beratungsförster erhältlich. In der Revierweisen Aussage wird der Schalenwildeinfluss auf die Waldverjüngung speziell für das jeweilige Jagdrevier gewürdigt. Sie spiegelt deshalb die örtlichen Verhältnisse genauer wieder als das Vegetationsgutachten auf Hegegemeinschaftsebene.

Försterin Lisa Schubert während Jagdrevierbegang mit Karte in der Hand

Foto: Gero Brehm

Jagdrevierbegang
Waldbesitzer können über ihren Jagdvorstand anregen, das Jagdrevier gemeinsam mit dem Jagdrevierpächter zu begehen, um das Verhältnis Wald und Wild zu besprechen. Wo wäre eine Schwerpunktbejagung wünschenswert? Was kann der Waldbesitzer tun, um die Jagdausübung zu erleichtern? Zum Beispiel Schussschneisen anlegen oder nicht mehr benötigte Zäune zügig abbauen. Der Beratungsförster nimmt auf Wunsch gerne teil.

Verbissbelastung

Ist eine hohe Verbissbelastung wirklich schlimm?

Rehe verbeißen nicht alle Baumarten gleich stark. Fichten werden eher verschmäht, Tannen und Laubhölzer dagegen bevorzugt. Besonders die im Klimawandel wichtigen Mischbaumarten werden in ihrem Wachstum durch den Wildverbiss immer wieder zurückgestutzt, so dass sie schließlich von Fichten überwachsen werden. Das erschwert den Waldumbau hin zu klimastabilen Mischwäldern ganz erheblich.
Welches Potenzial die natürliche Verjüngung hat, kann man gut an dem Vergleich gezäunter und nicht gezäunter Flächen erkennen. Der Unterschied der Verjüngung innerhalb und außerhalb der Zäune zeigt den Einfluss des Wildverbisses. In Wälder mit angepassten Wildbeständen entwickelt sich die Waldverjüngung gut. Davon profitiert auch das Wild. Es findet mehr und bessere Äsung, erfährt einen geringeren Populationsdruck und ist daher vitaler.

Eine zu hohe Verbissbelastung führt dazu, dass

  • für die ökologische Stabilität notwendige Mischbaumarten wie zum Beispiel Eiche und Tanne in ihren Anteilen dezimiert werden oder gar ganz ausfallen
  • der Waldumbau in Richtung Mischwald erschwert wird, weil bei starkem Verbiss überwiegend Fichten übrig bleiben
  • die Qualität der Verjüngung durch Zwieselbildung und Verkrümmungen erheblich leidet
  • der Jungwald in seinem Wachstum gebremst wird
  • Forstpflanzen entweder aufwändig eingezäunt oder mit Knospenschutz oder Wuchshüllen versehen werden müssen
  • die Waldbesitzer in ihrer waldbaulichen Freiheit eingeschränkt werden und erhebliche Mehrkosten und Mühen für die Waldverjüngung aufwenden müssen.
Stark verbissene Laubhölzer

Stark verbissene Laubhölzer
Foto: Boris Mittermeier

Tanne, stark verbissener Gipfeltrieb

Stark verbissene Tanne
Foto: Boris Mittermeier

Kunststoffklammer an Gipfelknospe

Einzelschutz an Tanne
Foto: Gero Brehm

Grüne Wuchsgitter über Tannenpflanzen in einem Fichtenbestand

Wuchsgitter zum Schutz vor Wildverbiss
Foto: Roland Schörry

Wuchshüllen zum Schutz vor Wildverbiss

Plastikröhren zum Schutz vor Wildverbiss
Foto: Roland Schörry

Tannenverjüngung nur hinter Zaun, außen keine Verjüngung.

Tannenverjüngung hinter Zaun
Foto: Klaus Schreiber

Buchenverjüngung im Zaun, außerhalb keine Verjüngung

Buchenverjüngung hinter Zaun
Foto: Gero Brehm

Rehwildbejagung

Rehwildbejagung

Hochsitz im verschneiten Winterwald

Foto: Michael Friedel

Die moderne Rehwildbejagung erfordert es, im Wald zu jagen. Schwerpunktmäßig dort, wo die Waldverjüngung ermöglicht und gesichert werden soll. Der Wald darf nicht der einzige Tageseinstand des Rehwilds sein. Die moderne Jagd muss dazu beitragen, die Feldflur wieder attraktiver für das Rehwild zu machen. Durch Greening verbesserte Lebensräume in der Feldflur müssen für das Wild nutzbar sein. Der Abschuss des Rehwilds vor allem am Waldrand hält dagegen die Rehe im Wald fest und provoziert dort unnötigen Wildverbiss. So erzieht man die Rehe dazu, abends erst spät aus dem Wald heraus und morgens wieder sehr früh in den Wald zurück zu wechseln.

Wer dagegen die Rehe im Wald bejagt, verringert die Schäden am und im Wald und ist trotzdem erfolgreich – weil er für das Wild weniger berechenbar ist. Die Äsungsflächen im Feld und am Waldrand müssen überwiegend jagdfreie Zonen sein. Kombiniert mit modernen waidgerechten Jagdmethoden ist die Rehwildjagd auch bei angepassten Wildbeständen erfolgreich.

Winterfütterung von Rehen ist nicht nötig

Futterstelle für Rehwild im Wald mit auf Boden liegendem Futter

Foto: Anita Ottmann

Eine Notzeit wäre der Zeitraum, in welchem das Wild aufgrund der jeweils gegebenen Verhältnisse zu wenig natürliche Äsung findet und zum Überleben der Population auf künstliche Futterquellen angewiesen wäre. Das ist aber selbst bei wochenlangen hohen Schneelagen und Tagestemperaturen unter – 10°C, nicht der Fall. Die im Herbst angelegten Fettreserven helfen dem Wild über den Winter. Fütterungen sind sogar kontraproduktiv. Sie führen zu erhöhtem Wildverbiss im Umfeld, weil sie das Wild konzentrieren.
Auch Kirrungen dürfen nicht zur Fütterung ausarten. Kleine hingestreute Mengen Apfeltrester, müssen genügen. Im Übrigen ist auch die Kirrung für Schwarzwild restriktiv zu handhaben: Maximal ein Kilogramm artgerechtes Material je 100 Hektar Revierjagdfläche (Hegerichtlinie Ziff. 10).

Allgemeine Informationen zu den Forstlichen Gutachten 2021

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Verjüngungsinventur in Bayerns Wäldern - Forstliche Gutachten 2021